Binokel – Stichspiel aus Baden-Württemberg

Binokel wird gemischt

Was den Bayern ihr Schafkopf als Kartenspiel, dass ist dem Baden-Württemberger sein Binokel. Auch das gehört zu den Stichspielen, allerdings kommt es hier nicht auf den einen Trumpf an, sondern auf die Kombination unterschiedlicher Karten. Erst dann darf der Spieler reizen, allerdings steht er dann in der Verpflichtung, eben möglichst viele Stiche zu machen. Es steckt also viel Ansporn in jeder Runde Binokel. Kein Wunder also, dass kaum jemand an dem Kartenspiel vorbei kommt. Zumal es von jedem großen Spielehersteller im handlichen Poketformat angeboten wird. Als Kulturgut natürlich Ehrensache!

Binokel: Gaigel-Karten fest in der Hand

Die Karten im Binokel bezeichnet man auch als Gaigel-Karten. Davon gibt es gleich eine ganze Menge, nämlich einen doppelten Kartensatz der mit den bekannten Farben ausgestattet ist. Kreuz heißt hier allerdings Eichel, Pik heißt Schippen oder Blatt, Karo heißt Schellen, nur Herz bleibt Herz. Asse sind Säue, dann kommen der Wertigkeit nach Zehner, gefolgt von König, Dame (Ober) und Bube (Unter), dann die Siebener (Nixle). Der Baden-Württemberger lässt also allein schon bei den Kartenbezeichnungen viel schwäbischen Dialekt einfließen. Klassisches Binokel kommt ohne Siebener-Karten aus. Bei der Abwandlung dazu, dem Gaigeln, braucht es allerdings Siebener.

Das Thema Abwandlung scheint beim Binokel überhaupt ganz groß geschrieben zu werden, denn jede Region spielt ihre eigenen Regeln. Einige Spiele funktionieren über Rufen, andere regeln explizit, wer zuerst auslegt und wieder andere hegen den Prioritätenzwang. Hier muss dann nicht nur entschieden werden welche Stiche man sich zutraut sondern auch, wer zuerst auslegt. Dieser kann das Spiel ein Stück weit lenken, es hat also seine Vorteile, zuerst an der Reihe zu sein.

Anders als bei vielen vergleichbaren Spielen ist es beim Binokel übrigens auch möglich, mit einer ungeraden Anzahl an Mitspielern zu spielen. Es lässt sich als Zweierteam ebenso spielen wie zu Dritt oder zu Viert. Dabei variiert nur jeweils die Anzahl der im Spiel befindlichen Karten.

Reizen oder Drücken? Das ist beim Binokel die Frage …

Jeder Stich muss zuvor gemeldet werden, sonst zählt er nicht. Beim Reizen zu Spielbeginn geht es darum zu raten, wie viele gute Karten noch im Dabb, dem verdeckten Kartenstapel, stecken. Es gilt dabei nicht nur die eigene Reizschwelle zu ermitteln, sondern auch die der Gegner. Nur dann lässt sich entscheiden, wann man abgeht, also aus dem Spiel aussteigt. Ist aber jemand am Spiel, so muss er drücken. Das bedeutet, er muss die aufgenommen Spielkarten aus dem Stapel durch eigene Karten austauschen, also drücken, damit er bei Spielbeginn genau so viele Karten auf der Hand hält wie die Mitspieler. Fehlt dem Spieler eine Karte, kann er sie durch Rufen einfordern, aber nur, wenn er auch dran ist. So bleibt der Spielverlauf ausgesprochen spannend und ist einfach jede Runde anders.