Anno Domini – Regeln und Ablauf des Schätzspiels
- Spieler
- 2–8

Anno Domini ist ein Kartenspiel, in dem historische Ereignisse in die richtige zeitliche Reihenfolge gebracht werden. Jede Ausgabe enthält über 300 Karten, und gespielt wird für 2 bis 8 Spieler. Gewonnen hat, wer als Erster alle Karten los ist.
Das Besondere ist, dass niemand die Jahreszahlen wissen muss: sie stehen auf der Rückseite. Gefragt ist nicht Wissen, sondern eine Einschätzung, und die darf angezweifelt werden. Genau dieses Anzweifeln ist der Zug, um den das Spiel gebaut ist.
1. Der Ablauf
- Karten austeilen. Jede Person erhält eine Handvoll Karten, die mit dem Ereignis nach oben liegen. Die Jahreszahl auf der Rückseite bleibt verdeckt.
- Eine Karte anlegen. Wer am Zug ist, legt eine Karte an die ausliegende Reihe an, und zwar an die Stelle, an die das Ereignis zeitlich gehört. Erklärt werden darf dabei, warum.
- Anzweifeln oder weitergeben. Die nächste Person entscheidet: entweder sie legt selbst eine Karte an, womit sie die bestehende Reihe als richtig anerkennt, oder sie zweifelt die Reihe an.
- Auflösen. Bei einem Zweifel werden alle Karten der Reihe umgedreht. Stimmt die Reihenfolge, nimmt die zweifelnde Person die Karten auf die Hand. Stimmt sie nicht, nimmt sie die Person, die zuletzt gelegt hat.
- Ende. Wer keine Karten mehr hat, gewinnt.
Der Reiz liegt in der Verantwortung: wer nicht zweifelt, übernimmt die ausliegende Reihe. Eine Karte falsch anzulegen und überzeugend zu begründen ist deshalb ein regulärer Zug, kein Betrug, und wer zu oft glaubt, sammelt Karten.
2. Warum das Spiel auch ohne Geschichtswissen funktioniert
Gefragt ist nicht das Jahr, sondern nur das Verhältnis: kam die Erfindung des Buchdrucks vor oder nach der Entdeckung Amerikas? Solche Fragen lassen sich mit Alltagswissen einschätzen, und wo das Wissen fehlt, hilft die Beobachtung: eine Person, die eine Karte zögernd anlegt, ist unsicher, und das ist ein Grund zu zweifeln, ohne das Ereignis zu kennen.
Daraus folgt auch, warum das Spiel in gemischten Runden gut funktioniert. Ein Kind mit wenig historischem Wissen kann gewinnen, indem es im richtigen Moment zweifelt.
3. Die Ausgaben
Es gibt zahlreiche Themenausgaben, unter anderem zu Forschung und Wissenschaft, Erfindungen, Europa und Kuriositäten, jede mit eigener Farbgebung. Die Ausgaben lassen sich mischen, solange die Kartenrückseiten dasselbe Format haben, und in gemischten Runden ist genau das der bessere Weg: eine Themenausgabe allein bevorzugt sonst die Person, die das Thema kennt.
4. Drei Dinge, die den Unterschied machen
Die eigene schwerste Karte früh legen. Wer eine Karte hält, die er selbst nicht einschätzen kann, legt sie in eine kurze Reihe. Später, mit acht Karten in der Reihe, wird jeder Fehler wahrscheinlicher.
Zweifeln, wenn die Reihe lang ist. Je mehr Karten liegen, desto größer die Chance, dass irgendwo ein Fehler steckt. Angezweifelt wird die ganze Reihe, nicht die letzte Karte.
Erklären, auch wenn man falsch legt. Eine ruhige Begründung wirkt stärker als jede Jahreszahl. Wer schweigend legt, wird angezweifelt.
5. Für welche Runden es passt
Anno Domini funktioniert dort, wo geredet wird. Ohne Begründungen läuft es auf Raten hinaus, mit Begründungen wird es ein Bluffspiel mit historischem Anstrich. Deshalb passt es gut in größere Runden und schlecht als Spiel für zwei, wo jeder Zweifel sofort geprüft wird und keine Reihe wächst.
Als Familienspiel hat es einen praktischen Vorteil gegenüber Quizspielen: es gibt keine Fragen, die man wissen muss. Wer nichts weiß, zweifelt, und das ist ein vollwertiger Zug.
6. Häufige Fragen
Wie viele Karten hat Anno Domini?
Über 300 pro Ausgabe. Jede Karte trägt ein Ereignis auf der Vorderseite und die Jahreszahl auf der Rückseite.
Muss man Geschichte kennen?
Nein. Gefragt ist nur die Reihenfolge, nicht das Jahr, und wer unsicher ist, kann zweifeln statt zu legen. Alltagswissen reicht für die meisten Karten.
Wie viele Personen können mitspielen?
Zwei bis acht. In großen Runden dauert es länger, bis eine Reihe angezweifelt wird, und damit wird sie riskanter.
Was passiert bei einem Zweifel?
Die Reihe wird aufgedeckt. War sie richtig, nimmt die zweifelnde Person alle Karten auf, war sie falsch, die Person, die zuletzt gelegt hat.
Kann man verschiedene Ausgaben mischen?
Ja, solange das Kartenformat passt. In Runden mit unterschiedlichem Wissensstand ist das sogar die bessere Wahl, weil kein Thema eine einzelne Person bevorzugt.